Geschichten aus dem wahren C-Leben

Hauptkategorie: Externes Kategorie: Anekdoten Erstellt: Samstag, 08. Mai 2010 Zuletzt aktualisiert: Donnerstag, 15. November 2012 Veröffentlicht: Samstag, 08. Mai 2010 Geschrieben von Jens Kirchhoff

hardwaremausik im spiegel youtube

Musik ist nichts anderes als eine Abfolge von Frequenzen. Genau wie die Geräusche, die sich bewegende Computerteile machen. Mit den richtigen Befehlen lassen sich den Gerätschaften Töne in einer bestimmten Frequenz und Reihenfolge entlocken. Heute ist Hardware-Gesang ein regelrechtes Genre, mit Stars, Hits und Evergreens. Angesagtester Interpret der Stunde: ein altes Computergehäuse mit vier Diskettenlaufwerken, 3,5 und 5,25 Zoll, die an einen Microcontroller angeschlossen sind und mit Daten im MIDI-Format angesteuert werden können. Alle 128 Töne, die der Standard vorsieht, soll das Gerät zum Besten geben können. Dabei können vier Töne gleichzeitig ausgegeben werden. Musik mit Diskettenlaufwerken

Radiohead-Remix auf Sinclair ZX Spectrum und Festplatten (2008). Zum Einsatz kommen klassische Instrumente der Hardware-Musik: Sinclair ZX Spectrum, Epson LX-86  Nadeldrucker, HP ScanJet 4C, Festplatten als Lautsprecher.

    Bohemian Rhapsody" auf Atari, TI-99/4A und Scanner Das Hardware-Ensemble: Atari 800XL, 3,5 Zoll Diskettenlaufwerk, Adaptec 2940UW SCSI Card, TI-99/4A Computer mit Bandlaufwerk, 8 Zoll Diskettenlaufwerk, HP ScanJet 3C

    Super Mario" auf einem Schrittmotor

    So feiert das Department of Control Engineering der Technischen Universität in Prag Weihnachten mit Musik aus Nadeldruckern. Zum Einsatz kommt die Programmiersprache Matlab, mit der sich besonders gut mathematische Probleme lösen lassen, und das Addon Simulink. In Deutschland ist das Lied übrigens unter dem Namen "Kommet, ihr Hirten" bekannt.

    Das Diskettenlaufwerk des C64 hatte einen eigenen kleinen Arbeitsspeicher und einen Prozessor, so dass es möglich ist, das Laufwerk ein Solo singen zu lassen, ganz ohne den Rechner selbst. Der 1541-Sound darf als Geburtsklang der Hardwaremusik betrachtet werden - die Hobbyprogrammierer, die in den Achtzigern alles daran setzten, jede noch so dunkle Ecke des C64 und seiner Peripherie zu erkunden, erfanden den singenden Schreib-Lesekopf.

    Star Wars auf 3 1/2"-Floppy Disk

    Musik durch PDP8 auf KW-Empfänger hörbar gemacht.

      Schleifen programmieren kann heute jeder. Aber dass man eine Programmschleife (Lochstreifenschleife/G1/1953) nicht einfach mit UHU zusammenkleben durfte weiß heute niemand mehr. Man muss das mit Aceton verdünnen.
      Kippenhahn/Göttingen

      Die Buchhaltung wunderte sich über den hohen Alkoholverbrauch zur Reinigung der Tonköpfe an den IBM-Bandmaschinen, bis sie dahinter kamen, dass neben dem Service auch einige Tropfen unvergällten reinen Alkohols in die Cola wanderte. (1970er-Jahre)
      Ehrenamtlicher Führer und ehemaliger Mitarbeiter eines Rechenzentrums / Deutsches Museum

      Schon mit den elektromechanischen Rechnern haben wir Spiele "programmiert": Ein Friden SCW (erste und einzige elektromechanische Rechenmaschine mit Wurzelautomat) wurde so mit Rechenoperationen beaufschlagt, dass sie den Radezki-Marsch ratterte.
      Hatje/Braunschweig

      Bereits bei den ersten Micros haben wir schon etwas gemacht, was dem Virus heute entspricht: Bei einem Apple IIe haben wir hinterlistig eine Taste auf RESET umprogrammiert, so dass der Bediener unbeabsichtigt einen Absturz an seinem Rechner herbeiführte.
      nicht mehr bekannt

       

      Zur ersten Hollerith-Maschine werden interessante Details erwähnt:

      • Spitzname des Kartensortierers und -zählers der Volkszählung war "statistisches Klavier"
      • Die Kontakte funktionierten mit Quecksilber: Die Dämpfe wurden eingeatmet.
      • Alle 4 Sekunden mussten die Damen eine Karte wechseln.
      • Um dem Arbeitsdruck zu entgehen, pusteten sie die Kontaktlöcher voll Dreck, so dass Störungen auftreten mussten, deren Beseitigung für sie Pausen bedeuteten.
      • In der Reparaturpause schütteten die Techniker das dreckige Quecksilber auf den Boden.
      • Die Kartentechnik war 9 mal schneller als die Konkurrenz (Zählung 1890)
      • In Deutschland verzichtete man auf Hollerithmaschinen, um bedürftigen Menschen diese Arbeit zu geben.
      • Ein Staffelwalzen-Addierwerk beschleunigte die Auswertung auf 400 Karten/min
      • Der Hauptverdienst erfolgte durch die Verleihung der Maschinen und den Verkauf der leeren Karten. (1000 Stück a30ct Kosten: im Verkauf zu 1$ / 1890)

      Artikel der Süddeutschen Zeitung Nr.48 S.24 (27/28 Feb 2010) mit dem Titel "Unfehlbar wie die Mühlen Gottes".

       

      Wehe, dem Programmierer fiel sein Lochkartenstapel hin (1950er,19 60er, 1970er Jahren). Sortieren nur von Hand! Außerdem verknickten die Karten z.T. im optischen Leser. Da freute sich der Operator , der alleine in dem Rechenzentrum an die Apparate, dafür aber alle Fehler selbst beseitigen durfte. Höllenlärm der Stanzerbatterien und Sortiermaschinen. 1976 habe ich für 16 DM ein 1000er-Pack gekauft ("die Klappe" im Altgebäude) , aber nur ganz wenige ALGOL- und FORTRAN-Programme gestanzt. "Programmieren im Maschinenbau" hieß diese neue fortschrittliche Vorlesung an der TU Braunschweig.

      Jens Kirchhoff

       

      (DDR, 1970): Als die EDV noch wirklich mit jedem Befehl einzeln zu programmieren war, reagierte unser erarbeitetes Lohnprogramm zwar richtig, doch der Kollege Knoll erhielt als einziger kein Geld, obwohl wir alle seine Daten richtig eingegeben hatten. Es wurde lange gesucht. Endlich kam die zündende Idee. Bei der Eingabe war bedauerlicherweise statt Knoll KnO11 eingetastet worden. Kn011 hat aber ein ganz anderes Bitmuster als Knoll und so konnte das EDV-Programm die Daten zu Kollegen Knoll nicht finden und es gab eben 0 Gehalt. ...Denn Kn011 ist eben nicht Knoll.

       

      Als erstes ....wurde ... ein Programm zur Übernahme der Lochkarten auf Magnetband installiert. Die westdeutschen Programmierer wurden fertig und wir konnten unsere tausende Lochkarten einlesen und später auch ausdrucken. Wie erstaunt waren wir, als bei fast allen Personen immer wieder das Wort nilreB auftauchte. Wir vermuteten schon einen Sabotageakt. Doch nach einigen Stunden oder Tagen kam mein Bruder, der damals auch mein Vorgesetzter war, auf die richtige Idee und schickte uns mit den Worten „Geht runter und legt die Lochkarten andersherum rein!" Denn nilreB war die Bezeichnung von Berlin, aber von hinten gelesen und dieser Ort trat bei fast allen Personen auf, die auf den Lochkarten vorhanden waren.

       

      Dr. Michael Rathsack * so war es und so wahr (C) Holzbrink Verlag: bitte kaufen

       

       

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