Apollo 11 Navigationscomputer / guidance computer

Hauptkategorie: Aktuelles Erstellt: Dienstag, 16. Juli 2019 Zuletzt aktualisiert: Donnerstag, 31. Oktober 2019 Veröffentlicht: Dienstag, 16. Juli 2019 Geschrieben von Jens Kirchhoff

+++ 31.10.2019 +++

Am 20. Juli vor 50 Jahren startete die Saturn 5-Rakete mit dem Landemodul "Adler" ab Cape Canaveral in Richtung Mond. Die Landung erfolgte am 20.Juli (Bodenkontakt bei circa 75 cm Höhe am 20. Juli um 20:17:39 UTC / wikipedia). Wir, das heißt: meine Familie, verließen den Wohnwagen in einem Strandbad mitten im verlassenen Schweden, um die Landung bei einem Urlauber mit Ferienhaus und TV um 21:17:39 Uhr mitzuerleben (damals gab es noch keine Sommerzeit :-).

Als Stepke von 12 Jahren war das ein ganz merkwürdiges Gefühl, dass da wirklich ein Unternehmen mit Menschen in diesem dunklen fernen Weltraum waren, ohne Luft und in so einer kleinen Schachtel auf so einer gigantischen Rakete. Und die konnten die Erde sehen, wie wir auch durch den Fernseher.

JK Schweden 1968 Klein

https://tardis.fandom.com/wiki/Apollo_11

Also war der Raum erfüllt mit ca. 10 Personen, die alle vor einem winzigen Schwarz-Weiß-Fernseher saßen und die Landung sehen wollten. Man sah immer nur verschwommen den Adler und die darunter vorbeiziehenden Krater, bis zum Schluss gar nichts mehr zu sehen war, weil die Kamera auf den eigenen Schatten zielte. Als dann kein Funkverkehr mehr war, hielten wir den Atem an, .... bis es dann verlautete, in krächzender Funkstimme, "Houston, Tranquility Base here. The Eagle has landed." Die Erleichterung im Raum löste sich in Rufen, Ersatunen und dann Bewunderung über das Unfassbare. Schließlich haben wir Kinder uns ja auch lange Zeit vorbereitet und eingestimmt..... mit Papier- oder Plastikmodellen von Rakete und Eagle oder einem Bilderalbum (Sammelbilder in der Tüte für ein paar Groschen) vom Programm mit "Mercury", Gemini"  und "Apollo", alles Namen mit einem Hauch von himmlischer Unnahbarkeit. Nicht umsonst hieß die Zeit ja auch "space age" mit all den Straßenkreuzern mit Flügelansätzen im Heck und Düsenimitationen an Lampen und Rädern....

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Haake-Beck Brauerei, 1967 (C) Panorama Bilderdienst, Bamberg

 

Da Bernd Leitenberger die Computer so schön beschrieben hat, spare ich mir eine Zusammenfassung und verweise nur auf das Buch: journey to the moon: history of the Apollo Guidance Computer . Wer A L L E S darüber wissen möchte, kommt an diesem umfangreich beschriebenen und illustrierten Buch nicht vorbei!!!

Nach meinen Recherchen wurden Programme und Daten nicht nur auf Magnetband aufgezeichnet und an Housten übermittelt (z.B. die tote Phase hinter dem Mond zur Kontroll- und Gegenrechnung am Boden) sondern auch vom Boden in den AGC eingespielt. Während des Count Down wurde das Raumfahrzeug von zwei (Tandem) RCA-110A Großrechenanlagen überwacht. Die Steuergleichungen wurden vom Computer ca. einmal je Sekunde neu berechnet. Die Sollwerte bzw. die Trajektormatrix werden/wird vom Boden aus eingespielt, entsprechend der Peilung mit 26-Meter Richtantennen (Hohlspiegel) an verschiedenen Orten auf der Erde und sogar durch Radarschiffe. Der Computer bezieht sich für seine Bahnsteuerung auf eine kardanisch aufgehängte Kreiselplattform, die von Zeit zu Zeit neu kalibriert wird. Dazu werden mehrere Sterne und die Erde per Sextant gepeilt, und der Computer berechnet per Kegel(mantel)schnitt die Position. (Wahrscheinlich macht das der Bodencomputer). Fünf IBM 360 machen das RTCC aus (Real Time Computer Complex), welches Daten, Programme, Funkverkehr, Fernsehsendung, Bodenkommunikation etc. steuern. Die Programme P01 bis P67 umfassen die Flugphasen der Reise, welche im Mutterschiff (Hauptprogamm "Colossus") und in der Landefähre (Hauptprogramm "Luminary") jeweils zur Ausführung kommen.

rope memory 1 Klein

 Der "Schnur"-Speicher (rope memory) ist ja einmalig hier eingesetzt worden. Leider ist die Erklärung der Funktion dieses ROM im Internet oft verwirrend. Daher siehe die Abbildung oben für 4 Bit statt 4x16 Bit. Jede Befehlsleitung fädelt durch die Kerne (oder nicht) entsprechend der zu speichernden Bitfolge (also je ein BefehlsWORT). Im Computertakt wird dann das Programm befehlsweise abgearbeitet bzw. eine Befehlsleitung nach der anderen unter Strom gesetzt (je nach Steuerung durch das Hauptprogramm). Durch jeden Kern geht dann genau eine Bit-Leitung zum Computer. Die Übertragung erfolgt ganz eiunfach durch Induktion: Der Stromstoß der Befehlsleitung erzeugt nur IM Kern (also DURCHgefädelt) einen magnetischen Fluss (Magnetfeld-Anregung), der sich nach Abfallen des Impulses in der Bitleitung entlädt. Im Prinzip ist die Befehlsleitung ein Sender, welche von den Bitleitungen (ggf.) empfangen werden und so das das Befehlswort in den Computer einspeist.


Außerdem kann man von der NASA schöne Fotos runterladen.

Hervorragende Beschreibung und Fotos findet man in einm Sonderheft der NEW YORK TIMES.

Ein fantastisches Buch ist auch Columbia hier spricht der Adler!" Der Report der ersten Mondlandung. Haarklein bzw. mit detaillierten Fakten und vielen Funksprüchen wird die Operation erzählt. Man lernt unheimlich viel dazu, was man vorher nicht wusste. Wie lange überlebt man im Vakuum/Weltraum, bevor das Blut kocht? Vieviel Sprit wird für einen Kilometer verbraucht? Wie viel wiegt ein Kettenglied von der gigantischen fahrbaren Plattform auf Cape kennedy? .....

Auch die c't RETRO nahm sich des Themas an. In der Augabe 21.10.2019 beschreibt Andreas Stiller den AGC sowie einen Simulator (s. 178 ff). Interessante Umstände der Entwicklung des AGC und des Einsatzes im Flug runden das Ganze ab.

... trotzdem hier noch einige Infos, zum teil von zeitzeugen erzählt...

First Man on the Moon Ersttagsbrief 1 anonym Klein

 

First Man on the Moon Ersttagsbrief 1a Klein

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