Der IMSAI und die Geschichte der IMS

Hauptkategorie: Für die Öffentlichkeit Kategorie: Fachartikel Erstellt: Sonntag, 17. Juli 2011 Zuletzt aktualisiert: Mittwoch, 14. Oktober 2015 Veröffentlicht: Sonntag, 17. Juli 2011 Geschrieben von Jens Kirchhoff

IMS Associates Inc. ,  San Leandro, CA  , USA
Die Firma IMS Associates Inc. (Die Initalen bedeuteten "Information Mangement Services" oder eventuell auch IMSciences ) wurde 1973 von William H. Millard gegründet. Dieser war vorher - in den 60-er Jahren - schon im Grossrechnergeschäft in betriebswirtschaftlichen Führungspositionen beschäftigt, zuletzt bei IBM. 1969 hatte er bereits die Firma "system dynamics" gegründet, die 1972 pleite ging. Die Idee der Firma, nämlich Software in einer eigenen Verkaufsverpackung unter die Leute zu bringen, war zwar gut. Auch das Programm "Faster" für IBMs mag gut gewesen sein. Da er seine Mitarbeiter alle fest angestellt hatte, konnte er aber die Personalausgaben nicht dem Auftragseingang anpassen und fuhr immer mehr Verluste in flauen Phasen ein. Nach dem teilweisen Verkauf an Venture Capital- Gesellschaften entglitt ihm langsam die Kontrolle. System dynamics ging bankrott und Millard blieb kein Dollar mehr. Er sass im Gegenteil auf einer verpfändeten Lebensversicherung und Hypotheken auf sein Haus.

Im Mai 1972 begann er als Selbständiger mit Softwareconsulting, wobei er einige lukrative Aufträge an Land zog. Bill Millard und seine Programmierer, wie Joe Killian und Bruce van Natta, berieten Grossrechneranwender in Sachen Softwaremanagement. Die anspruchsvollen Beratungsaufträge aus Verwaltung und Industrie wurden vereinzelt erteilt. Man hangelte sich 1972 bis '75 von einem lukrativen Umsatz zum nächsten, wobei sich schon Gesamtentwicklungsprojekte mit Elektronik- und Softwarelösungen ergaben.

Ein Kunde gab 1974 den Auftrag für ein Buchführungssystem, deren elektromechanische Hardware durch Mikroprozessorsteuerung ergänzt werden sollte. Mit diesem Auftrag für einen Prototypen erlangte IMS Erfahrungen auch im Produktionsprozess und in der Gehäusegestaltung. Ausserdem lernte man die Potentiale des Mikroprozessors als Datenverarbeitungsgerät kennen, während sie bisher eher in Waschmaschinen als primitive Schaltgeräte verwendet wurden.

Durch einen weiteren Kundenauftrag für ein "Workstation System", das die gesamte Verkaufsabwicklung im Neuwagengeschäft eines GM- Autohändlers steuern sollte, konnte IMS zum ersten mal ein eigenes "Produkt" erstellen. Man brauchte einen Bildschirm, einen kleinen Computer, einen Drucker und spezielle Software. Eine Plattenstation versorgte über einen Controller- Rechner fünf weitere angeschlossene Rechner. Durch einen Lizenzvertrag anstelle des Verkaufes dieser Entwicklung sicherte sich IMS die Verkaufsrechte für andere Autofirmen oder sonstige Märkte. Wegen der damit in Aussicht gestellten Einnahmen erhielt IMS Kredit von einer Bank, um diese Entwicklung zu finanzieren. Nachdem er ein Drittel der Kreditsumme ausgegeben hatte, wurde Bill Millard klar, dass sein Angebotspreis viel zu niedrig gewesen war, um den Auftrag mit Minicomputern und eigens entwickelter Software zu erledigen. Weil er den Auftrag haben wollte und sehr preiswert war, sass er nun in der Kostenfalle. Viele nackte Minis und verschiedene Einplatinencomputer wurden unter die Lupe genommen, aber alles war viel zu teuer. In seiner Verzweiflung wandte sich Chef- Ingenieur Joe Killian dem 8080 Mikroprozessor zu, von dem INTEL behauptet hatte, dass er - anders als der 4004 - ein "echter Computer" sei. Nachdem klar war, dass 1974 keine preiswertere Alternative als der 8080 vorhanden war, wagte man sich auf das Neuland, richtige Datenverarbeitung mit nur einem Chip zu betreiben. Das Ergebnis war der nun berühmte IMSAI 8080.

Nach der Entwicklung und Fertigstellung 1975 plazierte IMS eine Anzeige in der "Popuar Electronics". Der Erfolg war überwältigend. Die Leute schickten Aufträge und Geld. Als das immer mehr wurde, steigerte IMS die Produktion ihrer Bausätze und lieferte die ersten vor Weihnachten (16. Dez) 1975 aus. Um das zu schaffen, wurden alle Mitarbeiter (20-30), deren Partner und Familien eingebunden. Man arbeitete hart und nutzte den Tag bis in den späten Abend. Ständig musste der Kühlschrank mit Cola und Saft nachgefüllt werden.

Zunächst wurde der IMSAI durch Versandhandel verkauft. Aber Elektronik- Händler drängten auf die Vertretung des erfolgreichen Computers. Später wurden 97% des Umsatzes durch den Einzelhandel mit ca. 300 Händlern erwirtschaftet. Die Firma wuchs rasant, erweiterte die Produktpalette durch Drucker, Monitore, Floppy-Laufwerke und Programme und war nun keine Consultingfirma mehr. Also firmierte sie 1976 entsprechen ihrem Produkt zu IMSAI Manufactoring Corporation um. Die Firma war bisher in einem ansehnlichen Gebäude und einer angebauten Lagerhalle in San-Leandro / California untergebracht (Republic Avenue 1922) . 170 Mitarbeiter zogen in neue Gebäude um (Wicks Boulevard 14860), wo in zwei Häusern die Büros sowie die Fertigung untergebracht waren.

1977 brachte man das erste in der Industrie eingesetzte integrierte Computerprodukt auf Mikroprozessorbasis heraus, den VDP-80 (video data prozessor, man vergleiche mit PDP= programmed data prozessor von DEC). Die komplette Datenverarbeitungsanlage hatte in der Spitzenausstattung einen 12"- Monitor, 1 MB Floppykapazität, 32 k RAM , eine separate Tastatur mit Nummernblock und kostete 7.000$. Hiermit bediente man den neuen höherwertigen Markt (Selbständige, Büros, Kleinfirmen) über Einzelhandel mit einem einzigartigen Produkt, wobei auch die Verpackung, Bedienungsanleitung etc. ansprechend ausfielen.

IMSAI baute ein weltweites Vertriebsnetz auf. es handelte sich um das vermutlich erste Franchisesystem Computerland, mit dem Millard sehr reich wurde. Hier drang IMSAI mit hoher Leistung bei niedrigem Preis in den Minicomputermarkt ein wie damals DEC in den Grossrechnermarkt.

Im Oktober 1975 stellte man übrigens einen  "Hyper-Würfel" vor (Hyper- Cube). Viele Prozessoren sollten in einem 2x2x2x2- Gitter (bzw. 3 hoch 4 oder 4 hoch4) angeordnet werden und parallel arbeiten. Im Tandem sollte ein Prozessor die Kommunikation übernehmen, während ein zweiter die Befehle bearbeitete. Jeweils 8 Prozessoren nutzten einen gemeinsamen RAM und tauschten hierüber auch die Daten aus. Der Code sollte im ROM gespeichert sein. So liess sich zu einem Bruchteil der damals üblichen Grossrechnerkosten und ohne den üblichen Verwaltungsverlust der damaligen Monster- Betriebssysteme der IBM- Honeywell oder Boroughs- Giganten deren Rechenleistung erreichen. (80.000 $ sollte der Hypercube II und 400.000 $ der Hypercube III kosten. Das entsprach einem Zehntel der Kosten einer IBM 370-168. Im zweiten Quartal 1976 wurde der Hypercube IV für 1.280.000 $ eingeführt. Die US- Marine kaufte z.B. einen HC II für ihren Stützpunkt in Huntsville / Alabama.

Ein interessanter Ableger des Hypercubes war der IMSAI 108 bzw. der Versuch, ein CDC Trident -(Control Data) Plattenlaufwerk von 50 MB Kapazität in die Massenspeicherarchitektur des Hypercube zu integrieren. Das Projekt kam zum Stillstand, als drastische Verbesserungen des Controllers diese Entwicklungsrichtung weniger wichtig erscheinen liess. Ausserdem kam das neue Interface für das Calcomp 8"- Floppy-Laufwerk FDC 2-2 heraus, welches auch mit Gary Kildall's CP/M 1.2 angesprochen werden konnte. IMSAI's Chef Programmierer Rob Barnaby arbeitete vier Monate lang eng mit Gary zusammen um die I/O-Routinen zu schreiben und einigen Orignal PL-1 Quellcode feinzutunen. Das meiste dieser frühen Entwicklungen entstand auf einer INTEL Intellec SBC-80 - Maschine. Den Ausschlag gab hierzu Kildalls Kenntnisse, der für diesen Computer die Sprache PL-1 entwickelt hatte. Barnaby sog diesen Erfahrungsschatz sowie die Erkenntnis von der Leistungsfähigkeit des Entwicklungssystems schnell in sich hinein und war fortan ein wesentlich besserer Programmierer. Der IMSAI war damit der erste CP/M-Rechner bzw. Mikro mit Betriebssystem.

Killian und Van Natta schlugen Millard vor, einige ALTAIR 8800-er zu kaufen, anstatt die Knoten mit dem Prozessor selbst zu bauen. Neben anderen wichtigen Gründen spielte dabei Ed Roberts' (MITS- Präsident) Forderung eine Rolle, für jegliche Hardware im voraus und bar zu zahlen. Die neunzig Tage Lieferzeit von MITS waren auch kein Lichtblick. Obwohl es auch nicht gerade billig geworden wäre, die identischen Teile der Hardware aus dem Regal oder von Zulieferern zu kaufen, wurde folgendes entschieden: Wenn man schon grössere Geldbeträge aufbringen musste, dann könnte man auch seinen eigenen Rechner bauen. Aus diesem Dilemma heraus entstand das Klonen des ALTAIRs.

Zwischen Juli und November 1975 leitete der Chef Ingenieur Joe Killian eine kleine informelle Gruppe, die den ersten IMSAI 8080 entwickelte. Dies schloss Lieferverträge, Dokumentation und Montage mit ein. Um erschwingliche Einkaufspreise für die Teile und die teuren Metallhauben zu erzielen, überzeugten Killian und van Natta ihren Chef Millard, den ALTAIR- Clone auch an Hobby- Elektroniker zu verkaufen. Inzwischen war aus den ALTAIR- Bastel- Fans eine richtige Bewegung geworden und dessen BUS (bzw. der von MITS), der später als S100 bekannt werden sollte, war hier bereits Standard.

Imsai-gross1b

 

Imsai-gross4a

 

Imsai-gross7a

Augugst 1977 brachte IMSAI den 8048- er heraus. Dieser Einplatinen- Controller basierte auf dem INTEL 8048 und war als Steuerungscomputer fuer Modelleisenbahnen, Hausgeräte, Lichtorgeln, Energiesparsysteme u.s.w. gedacht.

 

 

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bei / by THOMAS "TODD" FISCHER / FISCHER-FREITAS COMPANY (thank you Todd for the permission)

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IMSAI ™ ist eine Handelsmarke der Fischer-Freitas Company SIEHE AUCH www.imsai.net

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